
Margarete Bican, Adalbert Prechtl und Fritz Schmöllebeck

- Eröffnung der FIT Infotage 2010

Ansturm zu den Workshops
„Aus für FIT – eine erfolgreiche Initiative zieht Bilanz“
Am Podium haben gesprochen:
Prof.DI.Dr. Adalbert Prechtl, Vizerektor für Lehre an der TU Wien,
FH-Prof. DI Dr. Fritz Schmöllebeck, Rektor der FH Technikum Wien,
Dr.in Margarete Bican, Geschäftsführerin sprungbrett
FIT bietet kompakte Studieninformation zu Universitäten und Fachhochschulen und einen breiten Überblick über technische und naturwissenschaftliche Ausbildungsmöglichkeiten.
Heute haben 270 Schülerinnen höherer Schulen an der großen Informationsmesse und den Einführungsvorträgen teilgenommen.
Durch konkrete, direkte, unmittelbare Kontaktaufnahme mit Studieninhalten, Lehrenden und Studierenden wird die Faszination an Technik erhöht. FIT bietet Einblick in verschiedene Ausbildungsmöglichkeiten von technischen und naturwissenschaftlichen Ausbildungen und Studien:
4 Tage lang präsentieren sich für 270 Maturantinnen einzelne Institute bzw. Studienrichtungen von 3 Universitäten und 4 Fachhochschulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland, um diese dazu zu motivieren, sich für ein zukunftsträchtiges technisches oder naturwissenschaftliches Studium zu entscheiden.
Das Ziel von FIT, nämlich die Steigerung des Frauenanteils in technischen Studienrichtungen, ist hoch gesteckt und braucht zur Erreichung eine Vielzahl von konsequenten Maßnahmen. FIT hat sich nun 9 Jahre in den Dienst dieser Sache gestellt.
Bedauerlicher Weise kann FIT nicht mehr in der bisherigen Form weitergeführt werden und findet heuer zum letzten Mal statt, da die Grundfinanzierung durch das bmukk gestrichen wurde. Dies bedauert nicht nur sprungbrett, sondern auch alle KooperationspartnerInnen, die ihre Kooperationsbeiträge weiter investiert hätten.
Mit dem Ende von FIT wird ein gut etabliertes funktionierendes Kooperationsprojekt auslaufen, ohne eine entsprechend aktualisierte Maßnahme an der Schnittstelle Schule – Universität vorweisen zu können und die dafür notwendigen Gelder zur Verfügung zu haben.
Was jedenfalls auch verloren geht, ist die Dichte und Breite, mit der FIT die Teilnehmerinnen informiert, indem weitgehend wertfrei die verschiedenen Ausbildungsmöglichkeiten vorgestellt wurden.
Als Geschäftsführerin von sprungbrett hat Dr.in Margarete Bican zum Ende von FIT Stellung bezogen:
Der Verein sprungbrett hat die erste Initiative an der Schnittstelle Uni – Schule / FIT in Wien seit dem Bestehen durchgeführt. Aus einer ursprünglich kleinen Veranstaltung mit Seminarcharakter hat sich ein großes umfassendes
Informationsprogramm für Schülerinnen der Maturajahrgänge entwickelt.
FIT basiert in erster Linie auf der Erkenntnis, dass sich durch das direkte Kennen lernen und Experimentieren in Labors und Instituten jene Hürden am Besten bewältigen lassen, denen Mädchen und junge Frauen begegnen, wenn sie den Weg als Technikerin beschreiten.
Bei der jährlich durchgeführten Teilnehmerinnenbefragung gaben über 90 % der Mädchen an, dass ihnen FIT sehr gut gefallen und sie in der Entscheidung der Studienwahl sicherer gemacht hat. Trotzdem ist die Anzahl der weiblichen Studierenden nicht in dem Maße gestiegen, wie wir es uns wünschen würden. Definitiv können wir sagen, dass in etwa 8 – 11 % der weiblichen Studierenden angegeben haben, über das FIT-Programm ihre Studienwahl getroffen zu haben. Offen bleibt also, wie hoch der Anteil an weiblichen Studierenden ohne Initiativen wie FIT sein wird.
Zahlen 2001 bis 2010 von FIT Wien
Insgesamt informierte Schülerinnen: 12.400 wurden über Vorträge und Workshops an Schulen erreicht, insgesamt teilgenommen haben 2000 Schülerinnen, mit bis zu 9 Bildungsträgern (Unis und FHs) wurden pro Jahr 40–50 verschiedene Studienrichtungen vorgestellt und 16 große kooperierende technische Unternehmen waren dabei.
Es liegt nun in den Händen der Universitäten und Fachhochschulen selbst den Frauenanteil in ihrer Institution zu erhöhen. Und wenn sie diesem Ziel näher kommen wollen, dann wird das jedenfalls auch in Zukunft Geld kosten!
Dr.in Bican meint in Vertretung für sprungbrett aber auch für viele Mädchen, die ab nächstem Jahr keine Möglichkeit für einen Vergleich der Ausbildungsangebote mehr haben, doch mit einigem Unmut und ZORN auf das Ende von FIT zu blicken, da der Eindruck entsteht, dass Projekte wie dieses nach wie vor als Luxus gesehen werden, der in wirtschaftlich harten Zeiten eben leider nicht mehr weiter bestehen kann, da es „wichtigere Dinge“ gibt, die anstelle zu finanzieren sind.
Gerade in einer Zeit, in der die Universitäten sich vielen großen Fragen und Herausforderungen gegenüber gestellt sehen, sich in einem Umbruch wirtschaftlich und gesellschaftlich befinden, muss besonders auf den gleichmäßigen und gleich berechtigten Zugang von Männern und Frauen geachtet werden. Denn Gleichberechtigung ist kein Luxusgut und Programme wie FIT sind keine Minderheitenprogramme!
Die heute Studierenden sind die Forschenden von morgen: damit in 20 Jahren endlich aus einem entsprechenden Pool von Männern und Frauen nach geeigneten ProfessorInnen, DekanInnen und RektorIn gewählt werden kann, und hier Frauen die tatsächlich gleichen Chancen auf einen Platz an der Spitze haben, darf heute nicht weniger sondern müsste viel mehr dafür getan werden als bisher, damit junge Frauen den Weg zur Technik finden!
Mit FIT verschwindet ein wichtiges Projekt zur geschlechtssensiblen Berufsorientierung aus der Beratungslandschaft und damit verschlechtert sich der geschlechter-gerechte Bildungszugang jedenfalls.
Prof.DI.Dr. Adalbert Prechtl, Vizerektor für Lehre an der TU Wien spricht von den gesellschaftspolitischen Aspekten in Bezug auf den gleichberechtigten Zugang zu Bildung. Die TU Wien muss sich in Zukunft noch stärker bemühen, die interessierten und intelligenten Menschen an sich zu binden. „Wenn wir uns nicht um die Mädchen kümmern, geht uns die Hälfte der Intelligenz verloren!“
FIT hat der TU Vorteile gebracht, der Frauenanteil steigt, langsam und zäh, aber „es geht in die richtige Richtung“, so Vizerektor Prechtl. Den Grund für die zögerliche Wendung der jungen Frauen in technische/naturwissenschaftliche Studien sieht er vor allem in kulturellen gesellschaftlichen Prägungen und am Informationsmangel.
Weiters werden einige Maßnahmen, mit der die TU sich um ein erweitertes Klientel bemüht, aufgezeigt: Kinder-Uni, BEST, Schulbesuche und Tage der offfenen Tür einzelner Fakultäten, Mentoringprogramme, oder auch Praktika für Schüler. Diese Angebote richten sich an Mädchen und Burschen, nur bei der Kinder-Uni hat sich gezeigt, dass in gemischten Gruppen sich die Burschen in den Vordergrund stellen, daher werden hier nun auch reine Mädchengruppen geführt.
„Wir bedauern, dass FIT nicht weitergeht und müssen einen geeigneten Ersatz finden“ Zitat Vizerektor Adalbert Prechtl.
Auch FH-Prof. DI Dr. Fritz Schmöllebeck, Rektor der Fachhochschule Technikum Wien, wünscht sich ein Weiterbestehen der FIT Initiative. Die Marke FIT hat sich sehr gut entwickelt und lebt auch von seiner zehnjährigen Kontinuität. Als FIT-Kooperationspartner der ersten Stunde bedauert er das Ende dieser einmaligen Initiative.
Prof. Schmöllebeck geht in seinem Statement darauf ein, wie wichtig gemeinsame Aktionen der Bildungsträger wären (wie sie durch FIT stattgefunden haben) trotz des bestehenden Mitbewerbs. Der Frauenanteil an der FH Technikum ist nicht sehr hoch (dzt. ca. 13 %), obwohl neben FIT einige Kooperationen wie z.B. eine regelmäßige Teilnahme am Wiener Töchtertag, Vienna Science Lectures, einige Schulpartnerschaften und neue Projekte mit der Leitung der Kindergartenpädagogik gut laufen. Ein Mentoring-Programm in Zusammenarbeit mit IBM setzt dort an, wo StudentInnen schon im Haus sind.
Die FH Technikum ist auf der Suche nach den besten Studenten und Studentinnen und der Rektor betont, dass jede einzelne Person für wichtig zu erachten ist.
Rektor Schmöllebeck berichtet, dass rund 10% der Mädchen, die an den FIT-Tagen die FH Technikum besucht haben, an dieser bleiben und ein Studium beginnen: „Mir tut es leid um das Programm; die Zahlen zeigen, dass wir davon profitiert haben.“
Rückfragenachweis:
Susanne Gugrel
susanne.gugrel@sprungbrett.or.at, 0664-88 51 20 61, www.sprungbrett.or.at
Download Pressetext vom 12.01.2010
